Strategische Disposition in der Beschaffungslogistik

Die Einführung moderner Planungssysteme in den vergangenen Jahren macht heute in vielen Unternehmen organisatorische und prozessbedingte Defizite transparent. Bei genauer Betrachtung zeigt sich in vielen Fällen, dass mit der Systemanschaffung avisierte Einsparungen und Verbesserungen deshalb nicht umgesetzt werden können, weil bestehende Prozesse in der Beschaffungsplanung oder Materialdisposition weitestgehend unverändert im neuen System abgebildet wurden.  Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass moderne Planungssysteme einen grundsätzlich anderen Prozessansatz verfolgen und nur dann optimal funktionieren können, wenn Prozesse und Organisation den veränderten Anforderungen Rechnung tragen. Der notwendige Strukturwandel, weg von der Fehlteiledisposition und Terminjägerei hin zu einer vorausschauenden und weitestgehend automatisierten Planung, hat in vielen Unternehmen jedoch bisher nicht stattgefunden.

Entsprechende Veränderungen haben in der Praxis oft weitreichende Auswirkungen auf das Berufsbild des Materialdisponenten und dessen Qualifikationsprofil, was möglicherweise die Hauptursache für das Ausbleiben des eigentlich dringend notwendigen Strukturwandels in vielen Unternehmen darstellt. In einer modernen Beschaffungsplanung ist es daher sinnvoll funktional zwischen einer Operativen- und einer Strategischen Disposition zu unterscheiden. Während die operative Disposition, analog zur bisherigen Materialdisposition, weitestgehend für die Abwicklung des operativen Tagesgeschäftes verantwortlich ist, hat die Strategische Disposition die Aufgabe eine optimale Parametrisierung entsprechender Planungssysteme im laufenden Geschäft sicherzustellen und gegebenenfalls sogar Mittel- und Langfristplanungen in Eigenverantwortung durchzuführen.

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Eine optimierte Materialdisposition weist kurz- und mittelfristig enormes Einsparpotential auf. Die Verbesserung der Planungssicherheit geht in der Regel direkt mit einer Beruhigung der eigenen Fertigung einher. Darüber hinaus können ehemals notwendige Prozesssicherheiten in Form von Lagerbeständen abgebaut und somit weitere Einsparungen erzielt werden. Beides zusammengenommen ermöglicht eine deutliche Steigerung des Servicegrades zum Kunden. Weitere Potentiale bieten sich in einem möglichen Abbau von Überkapazitäten in der operativen Disposition wenn diese, aufgrund einer verbesserten Parametrisierung, weitestgehend automatisiert ablaufen können.

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass notwendige Spezialkenntnisse bei vorhandenen Mitarbeitern in der Disposition nicht ausreichen, um die notwendigen Optimierungen der Planungsparameter im Rahmen des operativen Tagesgeschäftes vorzunehmen. Es erscheint deshalb als sinnvoll die Logistikorganisation  um die zeitgemäße Funktion einer Strategischen Disposition zu ergänzen. Abhängig von der Ausprägung der eigenen Organisationsstruktur sind grundsätzlich verschiedenen Organisationsformen denkbar. Nach eingehender Analyse bietet jedoch eine zentral organisierte Strategische Disposition die gößten Vorteile sowie das höchste Einsparungspotential bei gleichzeitig überschaubaren Risiken.

Besondere Aufmerksamkeit des Managements erfordert dagegen, unabhängig von der gewählten Organisationsform, die Auswahl geeigneter Mitarbeiter für die Strategische Disposition. Hier ist eine ausgewogene Mischung entsprechend qualifizierter Mitarbeiter mit in der Organisation anerkannten operativen Praktikern, welche jedoch auch über die notwendigen strategisch-analytischen Fähigkeiten verfügen sollten, der Garant für einen nachhaltigen Erfolg. Darüber hinaus sollte die Unternehmensleitung, insbesondere in der Anfangsphase, auf eine intensive und regelmäßige Kommunikation zwischen operativen und strategischen Teams achten. Akzeptanzproblemen in der Anfangsphase sollte das Management aktiv und energisch entgegentreten, um den Projekterfolg nicht zu gefährden.




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