| Optimierungs- und Einsparpotentiale
Unabhängig davon ob ein Unternehmen eher Bedarfs- oder Verbrauchsgesteuert disponieren sollte wird deutlich, dass bei mehreren Tausend oder gar Zehntausenden von Artikeln eine Komplexität entsteht, welche fundiertes und sehr spezielles Fachwissen vom Disponenten erfordert. Ein Blick in die Logistikabteilungen vieler Unternehmen zeigt jedoch, dass entsprechendes Spezialwissen nur in begrenztem Maße vorhanden ist. In der Praxis wurden daher in vielen Fällen Plandaten aus Altsystemen in das neue Planungssystem übernommen, oder von Beratern bzw. Herstellern empfohlene Standardparametrisierungen verwendet. Eine verlässliche und weitestgehend automatisierte Steuerung der Beschaffungsplanung muss in diesen Fällen zwangsläufig scheitern und führt dann in der Folge leider häufig dazu, dass diese Unternehmen zu "alten Tugenden" (sprich: Fehlteiledisposition und Terminjägerei) zurückkehren. Aus Freude darüber, dass das laufende Geschäft gerade noch gerettet werden konnte, treten vom Management ursprünglich avisierte Kosteneinsparungen und Synergien in diesen Fällen häufig sehr schnell in den Hintergrund oder geraten im Verlauf des operativen Tagesgeschäftes zunehmend in Vergessenheit. Dabei liegen die Vorteile einer funktionierenden Strategischen Disposition auf der Hand:
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Höhere Planungssicherheit: Aufgrund der kontinuierlichen Anpassung relevanter Planungsparameter an ein sich veränderndes Umfeld, gelingt es der Bedarfsplanung meist sehr gut die Realität planerisch abzubilden und somit notwendige manuelle Eingriffe der operativen Disponenten weitestgehend zu minimieren. |
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Fertigungsberuhigung: Wenn Änderungen des Fertigungsprogramms auf Grund von ungeplanten Kundenbedarfen oder fehlendem Vormaterials reduziert werden können, tritt automatisch eine deutlich spürbare Beruhigung interner Logistik- und Produktionsprozesse ein. Darüber hinaus werden auch Vorgelagerte Stufen der Wertschöpfungskette deutlich beruhigt, was indirekt auch zu einer höheren Liefertreue externer Zulieferanten führen wird. |
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Reduzierung von Lagerbeständen: Durch die kontinuierliche Optimierung von Planungsparametern, können ehemals notwendige Prozesssicherheiten in Form von Lagerbeständen deutlich reduziert werden. Auf der anderen Seite können drohende Unterdeckungen frühzeitig erkannt und entsprechend frühzeitig gegengesteuert werden. |
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Steigerung des Servicegrades: Gelingt es der Disposition die eigene Fertigung deutlich zu beruhigen und darüber hinaus die Verfügbarkeit von Vormaterial entsprechend zu verbessern, so wird dies eine spürbare Verbesserung des Kundenservicegrades zur Folge haben. |
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Reduzierter Personalaufwand: Nachdem sich das System etabliert hat, können mittelfristig Überkapazitäten in der operativen Disposition abgebaut werden. |
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Weitere Potentiale liegen in einer standardisierten Nutzung der vorhandenen Planungssysteme, sowie dem Aufbau von Know-How, welches zunehmend zu den Schlüsselqualifikationen erfolgreicher Unternehmen gehört. Gewonnen Erfahrungen können zukünftig für weitere Planungsaktivitäten, wie beispielsweise der Absatzplanung oder der Ersatzteilprognose, genutzt werden.
Mitarbeiterqualifikation
Die fachlichen Anforderungen an den Strategischen Disponenten unterscheiden sich deutlich von denen des operativen Mitarbeiters. Der Fokus des strategischen Anforderungsprofils liegt zu einem großen Teil in den analytischen und mathematisch-statistischen Fähigkeiten und weniger in der langjährigen Kenntnis des operativen Tagesgeschäftes. Grundlegende Optimierungen können in vielen Fällen sogar in gänzlicher Unkenntnis des einzelnen artikelspezifischen Umfeldes, ausschließlich auf Basis entsprechender Kennzahlen vorgenommen werden. Dies kann in der Praxis regelmäßig zu Missverständnissen in der Zusammenarbeit mit operativen Disponenten führen, da diesen solch abstrakte Vorgehensweisen meist als zu theoretisch und praxisfern erscheinen.
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Der Strategische Disponent sollte daher idealerweise über eine Hochschulausbildung verfügen und Grundkenntnisse in der Statistik sowie der Handhabung von EDV-Gestützten Planungssystemen mitbringen. Er sollte mit deren Funktionsweise vertraut und in der Lage sein Probleme strukturiert und unter Verwendung entsprechender Analysemethoden und -Tools einzugrenzen und zu lösen. Darüber hinaus sollten jedoch auch die kommunikativen Fähigkeiten nicht unterschätzt werden, da der Strategische Disponent in der Praxis sehr eng mit operativen Kollegen zusammen arbeiten wird. Ein reibungsloser Informationsaustausch zwischen operativer und strategischer Disposition ist daher eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Gesamtsystems. Abhängig von der internationalen Ausrichtung des Unternehmens sollte der Strategische Disponent entsprechende Fremdsprachenkenntnisse mitbringen, um gegebenenfalls im Rahmen einer internationalen Planung oder in Zusammenarbeit mit ausländischen Zulieferern das vorhandene Planungssystem optimal einstellen zu können. Der bisher in der operativen Disposition tätige erfahrene Praktiker wird möglicherweise schnell überfordert sein und es besteht die Gefahr, dass dieser später einen Engpass im Optimierungsprozess darstellt.
Organisatorische Umsetzung
Die mögliche organisatorische Einordnung einer Strategischen Disposition hängt maßgeblich von der bereits vorhandenen Logistikorganisation, sowie dem Veränderungswillen und der Bereitschaft der Unternehmensleitung in zusätzliche Mitarbeiter zu investieren ab. Die Größe des Unternehmens, sowie die internationale Ausrichtung sind weitere wichtige Kriterien. Der Idealfall, dass vorhandene Mitarbeiter sowohl operative als auch strategische Fähigkeiten in sich vereinen wird in der Praxis nur in den wenigsten Unternehmen anzutreffen sein. Grundsätzlich sind die folgenden Organisationsformen denkbar:
Dezentrale Strategische Disposition
In dezentralen Unternehmensstrukturen ist es grundsätzlich möglich die Strategische Disposition als zusätzliche Funktion ebenfalls dezentral zu organisieren. Im einfachsten Fall ist dabei jedem Team operativer Materialdisponenten jeweils ein strategischer Disponent zugeordnet, der dann für alle in der jeweiligen Gruppe disponierten Artikel die jeweils optimalen Parametrisierungen im Planungssystem zentral und eigenverantwortlich vornimmt.
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| Eine dezentrale Struktur ist in dezentralen Organisationen leicht zu realisieren. |
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Es ist bei der dezentralen Organisation jedoch auf eine strikte Trennung von Artikelnummern im System zu denjenigen von anderen Gruppen zu achten, da ansonsten mehrere strategische Disponenten die Parameter derselben Artikelnummer pflegen würden. Entscheidender Nachteil einer dezentralen Organisation ist die in der Praxis oftmals mangelhafte Kommunikation der strategischen Disponenten untereinander. Gesammelte Erfahrungen und erworbene Kenntnisse können hier nur sehr schwer unter einander ausgetauscht werden. Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Möglichkeit innerhalb der Strategischen Disposition Synergien zu erzielen, da mindestens ein strategischer Disponent je dezentrales Dispositionsteam notwendig ist.
Zentrale Strategische Disposition
Eine andere Möglichkeit ist die Organisation der Strategischen Disposition als Zentralabteilung, möglicherweise als Teil einer bereits vorhandenen zentralen Logistik. Der Vorteil liegt hier in der eindeutig besseren Kommunikation innerhalb der Gruppe, sowie der Möglichkeit Wissen unter einander auszutauschen. Auch würden Artikelnummern, welche gleichzeitig in unterschiedlichen operativen Einheiten disponiert werden nicht mehr stören, denn die zentrale Strategische Disposition könnte sich so organisieren, dass jeweils immer nur ein Mitarbeiter für eine bestimmte Artikelnummer im System verantwortlich ist.
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| Eine zentrale Organisation eröffnet weitreichende Einsparungspotentiale. |
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Die Nachteile einer zentralen Organisation liegen hingegen in einer möglicherweise schwierigeren Kommunikation zwischen operativer und strategischer Disposition. Hier sollte vom Management unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die Strategische Disposition nicht zu stark vom operativen Geschäft ausgrenzt (bzw. ausgegrenzt wird) und eine regelmäßige Kommunikation zwischen den Teams erfolgt. Dies könnte beispielsweise erreicht werden, indem die verantwortlichen strategischen Disponenten an den jeweiligen Teamsitzungen der operativen Kollegen teilnehmen. Eine andere Möglichkeit bestünde in der Benennung von "strategischen Focal-Points" in den operativen Gruppen, welche die Aufgabe haben sich stellvertretend für die Gruppe mit den strategischen Disponenten abzustimmen und an entsprechenden Teamsitzungen der Strategischen Disposition teilzunehmen. Mit zunehmendem Spezialisierungs- und Automatisierungsgrad können in der zentralen Organisation darüber hinaus leichter Synergien erzielt werden, als im Rahmen einer dezentralen Organisation.
Strategische Disposition im internationalen Umfeld
Weitere Synergien können in internationalen Unternehmensstrukturen erzielt werden. Ein entsprechend spezialisiertes Team könnte von einem zentralen Standort aus die Planungsparameter sämtlicher Unternehmensstandorte optimieren.
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| Auch im internationalen Rahmen können Optimierungen zentral vorgenommen werden. |
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Um die notwendige Kommunikation zwischen strategischen und operativen Teams aufrecht zu erhalten, sind jedoch regelmäßige Besuche der strategischen Disponenten vor Ort in den jeweiligen Standorten notwendig. Es sind daher vom Management die Personalkosten einer lokalen Strategischen Disposition den alternativ anfallenden Reisekosten von zentralen Disponenten gegenüberzustellen. In Ländern wie China könnte die Rechnung dann beispielsweise zu Gunsten einer lokalen Einheit ausfallen.
Strategische Disposition in der SCM-Organisation
In modernen Supply-Chain-Management Organisationen sollte zunächst einmal vom Management geprüft werden, ob die bereits vorhandenen Mitarbeiter nicht schon über die notwendigen strategischen Kenntnisse verfügen.
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| Die Strategische Disposition als Unterstützung für das Supply Chain Management. |
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Oft wurden diese Abteilungen mit fachlich qualifizierten Mitarbeitern verstärkt, sodass unter Umständen der eingangs beschriebene „Idealzustand“, nämlich dass die Mitarbeiter der Beschaffungsplanung operative und strategische Fähigkeiten aufweisen, erreicht werden kann. Bevor also eine neue Abteilung oder Gruppe im Unternehmen aufgebaut wird, sollte das genau geprüft werden, ob möglicherweise fehlende Kenntnisse nicht besser durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen aufgebaut bzw. verfeinert werden können. Stellt eine fachliche Qualifikation der vorhandenen Mitarbeiter keine Option dar, so bietet es sich an die Strategische Disposition als Gruppe oder Abteilung dem zentralen Supply Chain Management zuzuordnen.
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